Integration - Deutschland kann das

Willkommen im Museum

Flüchtlinge als Museumsführer

Syrische und irakische Flüchtlinge führen ihre Landsleute in ihrer Muttersprache durch Berliner Museen. Das Museum wird zum Treffpunkt, auf Arabisch: "Multaka". Mittendrin: drei Frauen aus Syrien und Deutschland.

Eva-Maria Al-Habib Nmeir (Mitte) im Gespräch mit Zoya Masoud und Mariam Bachich. Den Austausch mit Zoya Masoud und Mariam Bachich findet Ausbilderin Eva-Maria Al-Habib Nmeir (Mitte) eine echte Bereicherung. Foto: Gottschalk/photothek.net

Das Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum in Berlin: Touristen strömen in die Eingangshalle. Eine Gruppe reiht sich auf, um das gigantische Ischtar-Tor und andere Schätze der islamischen Kultur zu bestaunen.
Für Eva-Maria Al-Habib Nmeir ist der Trubel im Museum längst Alltag. Sie ist Kunst- und Kulturvermittlerin in den Staatlichen Museen Berlin. Heute trifft sie Zoya Masoud und Mariam Bachich, zwei Kolleginnen aus dem Multaka-Projekt. Al-Habib Nmeir hat die beiden ausgebildet. Nun führen Masoud und Bachich andere Flüchtlinge auf Arabisch durch das Museum.

Das Projekt "Multaka: Treffpunkt Museum" bildet Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak zu Museumsführern aus. Sie führen anschließend auf Arabisch durch das Vorderasiatische Museum, das Pergamonmuseum, das Bode-Museum und das Deutsche Historische Museum. Die Rundgänge sind kostenfrei. Finanziert wird das Projekt unter anderem durch die Kulturstaatsministerin und das Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesfamilienministeriums.

Ständiger Austausch

Aus dem Schüler-Lehrer-Verhältnis hat sich längst eine Freundschaft entwickelt. Die drei Frauen tauschen sich regelmäßig aus. "Es ist durchaus eine Bereicherung für mich, einen neuen Blick auf die Dinge zu bekommen", schwärmt Al-Habib Nmeir. Auch nach der eigentlichen Ausbildung haben die neuen Museumsführerinnen Fragen, die sie mit ihrer Lehrerin klären wollen. Fragen, die sich aus dem ständigen Austausch mit den Besuchern ergeben. Mit Al-Habib Nmeir haben sie eine fachkundige Ansprechpartnerin.

Erfahrene Ausbilder

Eva-Maria Al-Habib Nmeir führt seit sieben Jahren Besucher durch die Ausstellungen des Museums für Islamische Kunst. Aber auch die neuen Museumsführer, die sich selbst "Guides" nennen, bringen Erfahrung und Vorwissen mit. Viele haben vorher selbst in kulturnahen Berufen gearbeitet.

So auch Zoya Masoud und Mariam Bachich: Die Bauingenieurin Bachich arbeitete in Syrien in der archäologischen Abteilung eines Museums. Masoud ist Architektin und leitete größere Bauvorhaben.

Ausbilderin Eva-Maria Al-Habib Nmeir (rechts) Zoya Masoud und Mariam Bachich haben bereits in Syrien im Kulturbereich gearbeitet. Foto: photothek.net/Gottschalk

Im Dialog mit Besuchern

Für Kultur und Geschichte habe sie sich schon immer interessiert, erzählt Masoud. Doch erst in Berlin habe sie durch die Begegnung mit anderen Kulturen ihre eigene Kultur das erste Mal richtig erlebt. Diese Erfahrung möchte Masoud an andere Landsleute weitergeben.

Damit das gelingt, lernen die insgesamt 18 "Guides" in der Ausbildung auch verschiedene Methoden der Kunstvermittlung kennen. Ziel ist, die Führungen als Unterhaltung mit den Besuchern zu gestalten und die Diskussion zu moderieren, die dabei entsteht.

Begegnung mit der eigenen Kultur

Ein zentrales Ausstellungsstück für viele Syrer ist dabei das sogenannte Aleppo-Zimmer. Der mit überwiegend roter und goldener Holzvertäfelung verzierte Raum stammt aus einem christlichen Haus in Aleppo. Betrachtet man die Details der Wandbemalung, sind die Einflüsse aus den verschiedensten Kulturen, von China über den Iran bis zur Türkei zu erkennen. Ein Beispiel für die Offenheit der syrischen Kultur, sagt Masoud.

Für viele syrische Flüchtlinge ist die Erinnerung an die eigene Geschichte und Kultur wichtig. Durch den Krieg und die Flucht nach Europa haben sie fast alles verloren. Bei den Führungen im Islamischen Museum begegnen sie einem Teil ihrer Heimat. Zu sehen, dass die eigene Kultur so beeindruckende Kunstwerke hervorgebracht hat, gibt ihnen einen Teil ihres Stolzes zurück.

Wiederaufbau macht Mut

Deshalb seien auch gerade die Führungen durch das Deutsche Historische Museum so wichtig, so al-Habib Nmeir. Dort geht es nicht um die Besinnung auf die eigene Kultur, sondern um die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte.

Die deutsche Nachkriegszeit lässt viele Besucher staunen. Eine Gesellschaft, die durch zwei nah hintereinander liegende Kriege gezeichnet wurde, hat es geschafft, ihr völlig zerstörtes Land wieder aufzubauen. Das macht Hoffnung, dass es auch für die eigene Heimat einen Neuanfang geben kann.

Mittwoch, 8. Juni 2016

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