Integration - Deutschland kann das

Flüchtlingsradio

Eine Stimme der Integration

Der Radiosender "Good Morning Deutschland" will Menschen unterschiedlicher Kulturen informieren und zusammenbringen. Musik und gute Laune helfen dabei. Die Moderatoren berichten auf Arabisch, Farsi, Deutsch und Englisch über Alltagssorgen von Flüchtlingen und das Leben in Deutschland.

Moderatorinnen im Studio. Der Radiosender "Good Morning Deutschland" will für und über Flüchtlinge informieren. Foto: Bernd Hartung

Noch wenige Minuten bis zur Sendung. Die Moderatorinnen Ruba, Yara und Maysoon sitzen an einem Tisch und besprechen den Ablauf. Als alles geklärt ist, gehen sie ein paar Meter weiter zu ihren Mikrofonen. Das Studio ist nur mit einem Vorhang abgetrennt. Es wird ruhig im Raum. "Good Morning Deutschland" geht aus Frankfurt am Main auf Sendung – mit "Germany in Arabic". Thema heute: Integration.

Unterschiedliche Perspektiven

Es gibt drei Gäste in der Sendung: Einen Historiker, eine Mitarbeiterin der Stadt Frankfurt und einen jungen Syrer. Als Erster ist Historiker Erhard Brunn gefragt. Er sagt mit Blick auf die Folgen der Flüchtlingslage 2015: "Deutschland hat sich sehr großherzig gezeigt. Große Teile der Gesellschaft sind bereit, mehr zu tun als erwartet."

"Was kann man tun, um die Flüchtlinge zu unterstützen?", fragt Yara Abbass. "Aufeinander zugehen, der persönliche Kontakt ist wichtig", antwortet Katrin Wenzel von der Stabsstelle Flüchtlingsmanagement der Stadt Frankfurt. Sie sitzt im Studio auf einem Sofa neben Brunn.

Sich verstehen lernen

Und die Flüchtlinge? "Hast du dich gut integriert, Saleem?", fragt Maysoon Abuzugheib den jungen Syrer. So direkt gestellt überrumpelt ihn die Frage etwas – er muss lachen. Doch dann erzählt Saleem Barkeel, dass für ihn Integration bedeutet, dass man sich gegenseitig versteht. Er sucht Kontakt zu Deutschen, hat viel von einem älteren Ehepaar gelernt, bei dem er gewohnt hat. Trotzdem sagt er: "Ich lebe in zwei Welten". Es folgt Musik – fast wie bestellt das Lied "Eine Welt, eine Heimat". Die Stimmung ist entspannt.

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Kurz vor der Sendung besprechen die Moderatorinnen den Ablauf. Kurz vor der Sendung besprechen die "Good Morning Deutschland"- Moderatorinnen den Ablauf. Foto: Bernd Hartung

Wir wollen informieren

Mittler zwischen den Lebenswelten, das sind die drei Moderatorinnen und das soll auch ihre Sendung sein – auf Deutsch und Arabisch. "Politik und Religion sind schwierige Themen, aber durch Musik und Kultur kommen die Menschen zusammen", sagt Ruba Alkudsi. Sie selber kennt die Probleme der Flüchtlinge, sich fremd zu fühlen. Seit 2012 ist die in Syrien geborene Sprachdozentin in Deutschland. "Wir wollen informieren – für und über Flüchtlinge", beschreibt sie das Ziel der Sendung. Die Reaktionen seien überwiegend positiv.

Yara erklärt, dass sie in ihrer Sendung alles thematisieren, was Flüchtlinge erleben oder brauchen. "Wir machen Vorschläge, wie man Schwierigkeiten lösen kann. Wir sprechen aber auch über Erfolge und vorbildliche Projekte von Flüchtlingen."

Integration beim Radio

Ruba sagt, Journalismus sei ihre Leidenschaft. Zum Radiosender kam sie zunächst als Interview-Gast und blieb als Ehrenamtliche. Yara besucht einen Sprachkurs auf dem Uni-Gelände, auf dem sich auch das gläserne Studio befindet. Als sie die arabische Moderation über die Außenlautsprecher hört, wird sie neugierig. Schnell ist klar, sie möchte mitmachen. Beide Frauen sind motiviert, anderen zu helfen. Das sei das Entscheidende, sagen sie. Und der Spaß, den das Moderieren mache.

Hintergrund: Am 1. Mai 2016 ging "Good Morning Deutschland" auf Sendung. Ursprünglich war es als sechsmonatiges künstlerisches Radioprojekt gedacht, wurde aber wegen der positiven Resonanz fortgesetzt. In Frankfurt am Main arbeiten acht Menschen unterschiedlicher Herkunft ehrenamtlich mit. Das Offene Haus der Kulturen finanziert den Sender. Ein weiteres Studio gibt es in Stuttgart.

Montag, 23. Oktober 2017

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