Integration - Deutschland kann das

Deutsch lernen im Sprachkurs

Die richtigen Worte finden

Berufssprachkurse bereiten Ausländer darauf vor, hierzulande im Arbeitsalltag zu bestehen. Viele Teilnehmer waren schon berufstätig, bevor sie nach Deutschland gekommen sind. Sie möchten so schnell wie möglich ihr Deutsch verbessern und wieder arbeiten.

Im Berufssprachkurs in Berlin sitzen Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Im Berufssprachkurs in Berlin sitzen Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Foto: Phil Dera

"Bitte die Bücher zumachen." Kursleiterin Edith Kalka verteilt Kopien auf denen Fotos zu sehen sind – eines von einem Paketboten, ein anderes von einer Frau mit einem Handy. Jeweils zwei Kursteilnehmer sollen zusammen darüber sprechen, was sie auf den Fotos sehen. Die Runde diskutiert, man hört leises Gemurmel. Anschließend bittet Kalka drei von ihnen an die Tafel, sie sollen anschreiben, worum es geht. "Einkaufen auf der Internet" steht an der Tafel. Kalka greift ein: "Wie heißt das richtig?" "Im Internet" antwortet ein junger Mann.

Vorbereiten auf den Arbeitsmarkt

Es sind eher Kleinigkeiten, die Kalka korrigieren muss. Wer in diesem Kurs bei der Volkshochschule im Berliner Stadtteil Wedding sitzt, hat das Sprachniveau B1. Das reicht, um sich auf Deutsch verständlich unterhalten zu können. Aber in diesem Kurs geht es um Feinheiten. Ziel ist das Niveau B2 zu erreichen, das viele Arbeitgeber als Voraussetzung für eine Ausbildung sehen. 400 Stunden sind es bis zur Prüfung.

Die Übungen haben einen Bezug zum Arbeitsalltag. Wie schreibe ich eine Bewerbung? Wie telefoniere ich mit einem Kunden? Was möchte mein Chef von mir, wenn er sagt, ich soll einen Kollegen vertreten? "Sein Deutsch zu verbessern und gleichzeitig zu lernen, wie der Arbeitsalltag in Deutschland funktioniert, ist anspruchsvoll", sagt Kalka. Um der Realität bei der Arbeit möglichst nahe zu kommen, schafft sie immer wieder neue Situationen: einem Dialog zuhören, selber sprechen und schreiben und in wechselnden Arbeitsgruppen zusammenarbeiten.

Neustart im alten Beruf

Zoubi Al Hussien war vor der Flucht aus Syrien Lehrer. Neben ihm sitzt Abeer Abujuwted, sie hatte eine eigene Apotheke – ebenfalls in Syrien. Ein paar Plätze weiter: Amr Soliman, ein Arzt aus Ägypten. 11 von 19 Teilnehmern haben einen Hochschulabschluss. Es gibt Teilnehmer aus Ruanda, Venezuela, Brasilien und Polen. Nicht alle sind klassische Flüchtlinge, aber manch einer kann Schreckliches von Krieg und Revolution berichten. Zoubi Al Hussien zum Beispiel. "Natürlich bin ich froh, dass ich in Deutschland bin", sagt er.

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Menschen sitzen an Tischen Zoubi, Mohammad (M.) und die anderen Teilnehmer wollen das Sprachniveau B2 erreichen. 400 Unterrichtsstunden sind es bis zur Prüfung. Foto: Phil Dera

Keine Zeit verlieren

Egal mit wem man spricht, die Teilnehmer wollen keine Zeit verlieren. Sie sind zwischen 25 und 40 Jahre alt, wollen lernen und vor allem arbeiten. Amr Soliman sagt, die Sprache zu lernen sei wichtig, der Kurs sehr gut. Aber Kontakt zu Menschen sei noch wichtiger. Er wünscht sich, den Kurs mit einem Praktikum im Krankenhaus zu verbinden. "Ich würde schneller lernen", ist er überzeugt.

Zoubi stimmt zu. Wenn man nicht regelmäßig Deutsch spreche, vergesse man die gelernten Vokabeln. Kontakt zu Deutschen zu finden, sei aber schwer. Und er möchte beruflich nicht noch einmal ganz von vorne anfangen: "Ich habe in Syrien alle Prüfungen bestanden und war Lehrer." Hier und heute ist er zunächst Schüler und beschäftigt sich mit der Bedeutung des Wortes "vorstellen". Zoubi sagt: "Ich stelle mich Mohammad vor." Jetzt ist Abeer an der Reihe: "Ich stelle mir meine Zukunft vor". "Oje!", sagt Zoubi und muss grinsen.

Mehr über den Berufssprachkurs
In Deutschland gibt es unterschiedliche Sprachkurs-Stufen: A1 steht für einen grundlegenden Anfängerkurs. Um an B oder C-Kursen teilnehmen zu können, muss man fortgeschrittene Sprachkenntnisse nachweisen. Der Sprachkurs, den Edith Kalka leitet, nennt sich "Berufsbezogene Deutschförderung". Er bereitet generell auf den Arbeitsmarkt vor, ohne einen besonderen Schwerpunkt auf bestimmte Berufe zu legen. Am Ende steht eine Prüfung.

Mittwoch, 1. November 2017

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