Integration - Deutschland kann das

Programm für geflüchtete Lehrer

Zurück ins Klassenzimmer

Sie wollen auch in Deutschland wieder unterrichten – Flüchtlinge, die in ihrer Heimat Lehrer waren. Das "Refugee Teachers Program" der Universität Potsdam hilft ihnen beim Wiedereinstieg in den Beruf.

Mann argumentiert vor Klasse Hassan Aloneizan war Lehrer in Syrien – bald will er in Deutschland unterrichten. Foto: Phil Dera

Hassan Aloneizan war in Syrien Englisch-Lehrer. In einigen Monaten möchte der 32-Jährige wieder in seinem Beruf arbeiten – an einer deutschen Schule. Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt er am "Refugee Teachers Program" teil.

Ein Ziel: Sprachkenntnisse verbessern

"Unsere Teilnehmer sind hochqualifizierte und berufserfahrene Lehrerinnen und Lehrer", berichtet Dozentin und Projektmitarbeiterin Anna Aleksandra Wojciechowicz. Um auf Deutsch unterrichten zu können, müssen sie aber ihre Sprachkenntnisse verbessern – zum Beispiel durch Fachvokabular. Deutschkurse machen deswegen einen Großteil des Programms aus – ergänzt durch pädagogische Seminare. Flüchtlinge und deutsche Lehramtsstudenten lernen gemeinsam.

"Ich möchte bald fließend Deutsch sprechen. Hier treffe ich regelmäßig deutschsprachige Studenten und wir reden viel", sagt Ahmad Barsini – ein Geografie-Lehrer aus Syrien. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht fügt er hinzu: "Das ist eine tolle Ergänzung zum Sprachkurs."

Von der Uni in die Schule

Der Weg zurück in eine Schulklasse ist für die Teilnehmer oft hart. "Die Qualität und der Anspruch an die Lehrer in Deutschland sind sehr hoch. Das Programm ist anspruchsvoll und der Lernstand wird regelmäßig geprüft", erklärt Projektleiterin Miriam Vock.

Erste Einblicke in den deutschen Schulalltag bekommt Barsini durch ein Praktikum an einer Gemeinschaftsschule – drei Monate lang begleitet er an einem Tag pro Woche einen erfahrenen Lehrer. Die Unterrichtsbedingungen in Syrien waren zuletzt, bedingt durch die Kämpfe, andere: "In einer Schulklasse in Aleppo hatte ich 62 Schüler. Das machte die Betreuung der einzelnen Schüler unmöglich", so Barsini.

Die Nachfrage ist groß – die Plätze begehrt

Das "Refugee Teachers Program" ist begehrt: Seit dem Projekt-Start im April 2016 haben sich gut 1.000 geflüchtete Lehrerinnen und Lehrer beworben. Von den 28 Absolventen der ersten Runde haben alle, die das entsprechende Sprachniveau erreicht haben, befristete Anstellungen als Assistenzlehrer gefunden. Im Oktober dieses Jahres ist die vierte Gruppe mit dem Programm gestartet.

Aloneizan hörte von einem Freund vom Flüchtlingsprojekt. "Ich weiß diese Chance sehr zu schätzen", sagt er. "Ich werde alles geben, um bald an einer deutschen Schule unterrichten zu dürfen."

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Seminar in der Uni Was alle Teilnehmer dieses Seminars gemeinsam haben? Sie möchten bald selbst vor einer Klasse stehen. Foto: Phil Dera

Ein Vorbild für andere werden

Deutschland braucht gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Das Projekt will dazu langfristig einen Beitrag leisten. Die Absolventen können Schülern mit der gleichen Muttersprache helfen, Sprachbarrieren zu überwinden. Für geflüchtete Kinder an den Schulen sind sie ein Vorbild. Die Hälfte der "Refugee Teacher" sind Frauen.

Das Feedback der Schulen? "Ausschließlich positiv", sagt Vock. "Es wäre toll, wenn weitere Universitäten in Deutschland den Schritt wagen und ähnliche Projekte starten."

Das "Refugee Teachers Program" der Universität Potsdam unterstützt geflüchtete Lehrer beim Wiedereinstieg in ihren Beruf. Das Ziel: Die Teilnehmer in 1,5 Jahren fit machen für den Unterricht an deutschen Schulen. Nach erfolgreichem Abschluss des Programms können die Flüchtlinge als Assistenzlehrer arbeiten. Das Programm wird durch das Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert. Deutschlandweit gibt es bislang zwei Projekte dieser Art: an der Universität Potsdam und an der Universität Bielefeld.

Mittwoch, 15. November 2017

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