Integration - Deutschland kann das

Kunstprojekt für Flüchtlinge

Ein Moment des Friedens

Gemeinsam kreativ sein und die Sorgen vergessen – das bietet "Künste ohne Grenzen" Flüchtlingen in Hannover an. Das Projekt bringt Menschen unterschiedlichster Nationen zusammen und fördert durch das Erleben von Kultur die Integration.

Erwachsene malen Deutsche und Flüchtlinge sind bei "Künste ohne Grenzen" gemeinsam kreativ. Foto: Joanna Nottebrock

Mit einem großen weißen Blatt Papier in der Mitte des Raumes fängt alles an. Eine Gruppe junger Männer kommt herein. Sie grüßen freundlich und schauen sich um. Im Raum stehen Pinsel, Schalen mit Farbe und aus Pappe geformte Stempel. Im Hintergrund läuft Musik.

Die Künstlerin Renate Klebe-Klingemann alias "terena b." leitet den Kurs und bezieht die Männer gleich in die Vorbereitungen mit ein. "Wir wollen schnell mit dem Malen beginnen, es soll erst gar keine Scheu aufkommen", sagt sie. Die Männer packen mit an, mischen Farbe und falten Pappe für weitere Stempel. Man kommt ins Gespräch.

Vorfreude und Neugier

Einer der Teilnehmer ist Ahmed Fares. Der 29-Jährige stammt aus Syrien und lebt seit zwei Jahren in Hannover. Fares hat Philosphie studiert und vor der Flucht mit befreundeten Künstlern Bilder entworfen und mit Gedichten verziert. "Ich habe so lange nicht gemalt", sagt er und man merkt ihm die Vorfreude an.

Aber nicht jeder, der mitmacht, hatte vorher schon mit Kunst zu tun. Die Neugier hat sie aus ihren Flüchtlingsunterkünften hier in die Nähe der Apostelkirche gelockt. Sie wollen unter Leute kommen und Spaß haben. An diesem Tag ist es zufällig eine reine Männergruppe – hauptsächlich Syrer und Afrikaner. An anderen Tagen kommen viele Frauen.

Kultur erleben- Integration fördern

Menschen zusammenbringen und durch das Erleben von Kultur die Integration fördern - da setzt "Künste ohne Grenzen" mit dem Mal-Kurs "Arabesco" an. "Man kann die Menschen mit Kultur auffangen", glaubt Klebe-Klingemann. "Farben machen etwas mit einem. Im kreativen Prozess ist man bei sich. Kann alles ausblenden. Keine Angst und Wut. Ein Moment des Friedens", so die Künstlerin. Unterstützt von mehreren Ehrenamtlichen leitet sie die Gruppe an.

Ein kreativer Prozess entsteht

Ein Regenbogen soll entstehen. "Ein universelles Symbol der Verbindung", wie Projektleiter Stephan Sasse erläutert. Einige Teilnehmer legen gleich los, andere schauen erst einmal. Anfangs wirkt es noch recht strukturiert, die Farbreihenfolge des Regenbogens sollte stimmen, hier der Himmel dunkelblau sein, dort etwas heller. Aber nach und nach entsteht eine Eigendynamik.

Spätestens, als die Ersten mit leuchtender Farbe Ornamente stempeln, wollen alle mitmachen. Auch Männer, von denen man das auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Sie hinterlassen Blumenblüten oder regelmäßige Muster aus Dreiecken. Einige lachen, andere sind ganz konzentriert. Fares zeichnet in einer Ecke mehrere Sonnen. "Ein Symbol für die Freiheit und dafür, dass etwas Neues beginnt", sagt er später.

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Gruppe malt. Integration durch ein gemeinsames Projekt. Die Menschen kommen in Kontakt. Foto: Joanna Nottebrock

Ein harmonisches Ergebnis

Renate Klebe-Klingemann lässt sie machen, gibt eher dezent Hinweise. Schnell wird aus einem einfachen Regenbogen ein gut gefülltes Kunstwerk – geschaffen von Menschen, die sich vor zwei Stunden noch gar nicht kannten. "Trotz vieler Handschriften eine Harmonie", betrachtet die Künstlerin das Werk.

Die Runde stimmt ab, wie das Bild heißen soll. "Hinterm Horizont geht’s weiter" schlägt einer vor, "Herrlicher Ausblick" ein anderer. Die meisten Stimmen erhält "Wunderbare Natur". Das Bild hat einen Namen. Stolz machen die Teilnehmer Fotos mit ihren Handys. Am Ende findet sich jeder im Kunstwerk wieder.

Das Projekt "Künste ohne Grenzen" entstand 2015, als in einem ehemaligen Krankenhaus in Hannover zahlreiche Flüchtlinge unterbracht wurden. Halbjährlich gibt es neue Kulturangebote, auch Kulturpatenschaften können sich finden. Bei "Arabesco" soll Malen einmal in der Woche zum kommunikativen Erlebnis werden. Ornamente stehen im Vordergrund, sie sind weltweit zu finden und geschätzt. Die Teilnehmer können ein Zertifikat erhalten. Nach einer abschließenden Ausstellung sollen die entstandenen Bilder in Flüchtlingsunterkünften hängen, aus denen die Teilnehmer kommen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert das Projekt.

Dienstag, 21. November 2017

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