Integration - Deutschland kann das

Patenschaft für Flüchtlingsfamilie

Aus Hilfe wurde Freundschaft

"Als 2015 so viele Flüchtlinge nach Gransee kamen, wollte ich eigentlich nur ein bisschen helfen", erzählt Gudrun Beil. Sie übernahm eine Patenschaft für eine Familie, die aus Syrien geflüchtet war. Aus gegenseitiger Sympathie entwickelte sich Freundschaft.

Gruppenfoto der Familie mit ihrer Patin. Patin Gudrun Beil mit der zweijährigen Simell und die Eltern Jabir Ali und Wafa Assaad mit Fairuz, sieben. Foto: Judith Affolter

In Gransee liegt die Erstunterkunft für Asylbewerber außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer. 2015 hat die 6.000-Einwohner-Stadt 80 neue Asylbewerber aufgenommen. Darunter auch Jabir Ali, seine Ehefrau Wafa Assaad und ihre beiden Töchter Fairuz und Simell.

Gudrun Beil fragte bei der Flüchtlingsinitiative nach, wie sie helfen könne. "Die Flüchtlingsinitiative sagte mir, dass eine neue Familie angekommen ist. Es sei vor allem wichtig, Ordnung in die Papiere zu bringen", berichtet Beil. "Da dachte ich: Damit kenne ich mich aus. Das mache ich", so die ehemalige Buchhändlerin. So kam Beil mit der Familie von Jabir Ali und Wafa Assaad zusammen.

Verständigung mit Händen und Füßen

Das Ordnen der Papiere war eine Herausforderung: Viele Dokumente sind auf Arabisch, zum Beispiel das syrische Familienbuch und die Studienzeugnisse von Wafa. "Ich kann das ja nicht lesen. Da steht man wirklich ratlos davor", berichtet Beil. Einfacher war es mit den Bescheinigungen und Formularen der deutschen Behörden. "Wir konnten uns anfangs kaum verständigen, sie sprachen ja nur ganz wenige Brocken Deutsch", erzählt Beil. "Wir benutzten also Hände und Füße." Sie kam auf die Idee, Bildwörterbücher für die Verständigung zu nutzen und schaffte sich ein Wörterbuch Deutsch-Arabisch an. Das ist auch heute noch ihr ständiger Begleiter.

Inzwischen können sich die Patin und ihre Schützlinge gut auf Deutsch verständigen. Jabir Ali besucht den Deutschkurs in Oranienburg. Die siebenjährige Fairuz ist in der Schule, spricht fließend und übt begeistert Vorlesen aus der Lesefibel. Die kleine Simell hat jetzt einen Platz im Kindergarten. Deshalb kann auch Wafa Assaad in den Deutschkurs gehen, der nun in Gransee angeboten wird.

[Fotoreihe]

Bürokratische Hürden gemeinsam überwinden

"Man kann sich gar nicht vorstellen, was wir in diesem guten Jahr alles gemeinsam durchgemacht haben", erzählt Beil. Zum Beispiel bei der Wohnungssuche. Dafür galt es, ein Konto zu eröffnen, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, eine Steueridentifikationsnummer zu beantragen. Beil: "Auch die Gelder für die Erstausstattung der Wohnung haben wir beantragt – alles mit deutschen Formularen, die weder Jabir noch Wafa lesen und verstehen konnten."

Notwendige Arztbesuche ohne Krankenkassenkarte? Das war sehr schwierig. Die behandelnden Ärzte mussten wochenlang auf ihr Behandlungshonorar warten. Für die Anmeldung bei der Krankenkasse musste ein amtlich beeideter Dolmetscher das syrische Familienbuch übersetzen. Ebenso die Studienzeugnisse von Wafa. Kostenpunkt: mehrere hundert Euro. Geld, das die syrische Familie nicht hatte. Der Kirchenkreis hat die Summe gespendet.

"Mama Gudrun" hilft

Bis zur Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre war das Sozialamt in Oranienburg für die Familie zuständig. Frau Beils Ehemann übernahm es, die Familie immer wieder dorthin zu fahren. Inzwischen ist das Jobcenter in Gransee zuständig. Die Wege sind kürzer. Heute erledigen Wafa und Jabir dort alle Formalitäten selbst.

Ohne Gudrun Beil und ihre Familie wäre all das gar nicht möglich gewesen. Aus der Hilfestellung erwuchs binnen eines Jahres eine innige Beziehung. "Mama Gudrun" wird sie von allen liebevoll genannt. Das drückt aus, wie sehr sie zur Familie von Jabir und Wafa gehört.

"Wir wollen auch helfen"

Jabir Ali und Wafa Assaad sind sehr glücklich, in Gransee zu sein. Ihre Drei-Zimmer-Wohnung liegt in einer Neubausiedlung aus den siebziger Jahren vor den Stadttoren von Gransee. Zufällig wohnt Familie Beil nur wenige Schritte entfernt. So sind gegenseitige Besuche schnell zu organisieren. Fairuz und Simell spielen mit den Enkeln der Beils. Jabir Ali hilft im Garten und beim Malern. Gern kochen Wafa und Jabir für die ganze Familie Beil.

"Mama Gudrun hat so viel geholfen. Wir wollen auch helfen", sagt Ali. Seine Ehefrau ergänzt: "Hier im Haus wohnt eine alte Dame. Sie ist ganz allein und kann nur schwer gehen. Da helfen wir auch, wenn sie etwas braucht. Wir versuchen immer zu helfen, denn wir bekommen auch so viel Hilfe."

Gransee hat rund 6.000 Einwohner. Der Stadtkern ist seit 1340 von der heute noch erhaltenen Stadtmauer umgeben. Die Initiative "Willkommen in Gransee" entstand im Januar 2014. Seit dem ersten Zuzug von Flüchtlingen in die Stadt sorgt die Initiative für sprachliche und praktische Unterstützung im Alltag. Das leerstehende Hospital haben Granseer und Flüchtlinge gemeinsam zur Begegnungsstätte "Hospital Global" ausgebaut.

Montag, 12. Dezember 2016

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