Integration - Deutschland kann das

Preiswürdige Integration

Die Kümmerer aus Altena

Die Stadt Altena erhält den Nationalen Integrationspreis der Bundeskanzlerin. Dort arbeiten Ehren- und Hauptamtliche eng zusammen, damit aus Flüchtlingen Mitbürger werden. Esther Szafranski kümmert sich um eine syrische Familie. Sie ist überzeugt: "Das ist die richtige Art und Weise, die Menschen zu integrieren."

Arar und Szafranski gehen spazieren. Esther Szafranski begleitet Myassar Arar auf seinem Weg vom Flüchtling zum Mitbürger in Altena. Foto: Ina Fassbender

Myassar Arar sucht für seine fünfköpfige Familie eine größere Wohnung. Die älteren Kinder sollen ein eigenes Schlafzimmer bekommen. Im Integrationsbüro der Stadt Altena schaut Arar sich Angebote vom Wohnungsmarkt an, die die Vorgaben des Jobcenters erfüllen. Esther Szafranski begleitet ihn. "Die Wohnung ist schön renoviert. Und es ist ein Kindergarten in er Nähe", erklärt Samira Lorsbach von der Stadtverwaltung. Für Details wechselt sie ins Arabische. Arar nickt. Szafranski hakt nach: "Und wo würden die großen Kinder zur Schule gehen?" Auch das ist schnell geklärt.

Ankommen in Deutschland

"Zwischen uns stimmt die Chemie", sagt Esther Szafranski über ihr Verhältnis zur syrischen Familie. Arars Frau, die drei Söhne und ein Neffe kamen im Oktober 2015 mit einem Bus in Altena an. Sie waren erschöpft von der Flucht, die Kinder weinten. Aber sie waren froh, in Sicherheit zu sein. Esther Szafranski steht ihnen seit diesem Tag zur Seite.

Myassar Arar selbst kam erst rund ein halbes Jahr später. Das Geld reichte nicht, um gemeinsam zu flüchten. Zuerst sollten die Kinder in Sicherheit sein. Er arbeitete weiter, immer mit der Angst, vom Militär aufgegriffen zu werden. Sein Haus war zerstört. Schließlich machte auch er sich auf den Weg. Bürgermeister Andreas Hollstein setzte sich dafür ein, dass der Familienvater direkt nach Altena kommen konnte.

Esther Szafranski erinnert sich: "Ich habe die Familie besucht. Da stand plötzlich ein fremder Mann in der Wohnung. Es war Myassar." Der kleinste Sohn erkannte seinen Vater nach der langen Trennung zunächst nicht - aber die Familie war wieder vereint.

Schnittstelle für Integration

Als die Stadt 2015 sogenannte "Kümmerer" suchte, wollte sich Szafranski um eine Familie mit Kindern kümmern. "Die brauchen die meiste Unterstützung. Ich versuche, so gut wie möglich zu helfen", sagt sie. Am Anfang ging es darum, den Neuankömmlingen zu zeigen, wie das Leben in Altena funktioniert. Ob beim Einrichten der Wohnung oder der Anmeldung für Kita und Schule: Szafranski erklärt und organisiert. Gibt es Konflikte, können die Kümmerer vermitteln und versuchen, die Betroffenen an einen Tisch zu bringen.

Wenn sie nicht weiter weiß, kann Szafranski im Integrationsbüro fragen. "Wir Kümmerer sind die Schnittstelle für die Integration. Wir kennen die Stadt und haben einen engen Kontakt zu den Hauptamtlichen", sagt Szafranski. Die Wege sind kurz, man vermeidet Bürokratie, wo es geht. Über die Wohnung hatte sie erst am Vortag mit dem Bürgermeister gesprochen.

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Der syrische Flüchtling Myassar Arar, seine 'Kümmerin' Esther Szafranski und Samira Lorsbach (r) bei einem Beratungsgespräch im Rathaus von Altena. Myassar Arar sucht eine neue Wohnung. Im Integrationsbüro macht Samira Lorsbach (rechts) einen Vorschlag. Esther Szafranski (Mitte) hilft bei der Entscheidung. Foto: Ina Fassbender

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Der syrische Flüchtling Myassar Arar und Esther Szafranski vor der Burg von Altena. Verstehen sich gut - Myassar Arar aus Syrien und "Kümmerin" Esther Szafranski. Foto: Ina Fassbender

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Myassar Arar deutet mit dem Finger auf etwas. Myassar Arar findet sich immer besser in Altena zurecht. Foto: Ina Fassbender

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Szafranski und Arar unterhalten sich. Esther Szafranski hilft Myassar Arar, wenn er etwas nicht versteht. Foto: Ina Fassbender

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Bürgermeister Hollstein sitzt mit Myassar Arar und dessen Sohn in seinem Büro im Altenaer Rathaus. Bürgermeister Andreas Hollstein (r.) sorgte dafür, dass Arar nach Altena zu seiner Familie kommen konnte. Einer von Arars Söhnen (m.) ist mit ins Rathaus gekommen. Foto: Ina Fassbender

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Der syrische Flüchtling Myassar Arar im Gespräch mit der Lehrerin Nicole Möhling. Nicole Möhling (l.) unterrichtet einen Sprachkurs im Stellwerk. An einem ähnlichen Sprachkurs hat Myassar Arar teilgenommen. Foto: Ina Fassbender

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Der syrische Flüchtling Myassar Arar arbeitet auf der Baustelle des Begegnungszentrums. Eigentlich ist Arar Buchhalter. Aber er hilft mit, ein neues Begegnungszentrum aufzubauen. Er möchte Altena etwas zurückgeben. Foto: Ina Fassbender

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Der syrische Flüchtling Myassar Arar (2.v.r.) arbeitet mit anderen Flüchtlingen auf der Baustelle eines Begegnungszentrums. Gute Laune auf der Baustelle des Begegnungszentrums. Arar ist nicht der einzige Flüchtling, der mit anpackt. Foto: Ina Fassbender

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Die Burg von Altena. Die Burg ist das Wahrzeichen der Stadt Altena. Foto: Ina Fassbender

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Der syrische Flüchtling Myassar Arar in der Innenstadt von Altena. Sieht seine Zukunft in Altena - der Syrer Myassar Arar. Foto: Ina Fassbender

Ehrenamtliches Engagement

Ihre Zentrale haben die Ehrenamtlichen im "Stellwerk" eingerichtet, in Sichtweite zum Rathaus. Für die Flüchtlinge gibt es hier Sprachunterricht, Beratung und eine Kleiderkammer. Einmal im Monat treffen sich Einheimische und Flüchtlinge zum "Café International". Auch Arar hat im Stellwerk einen Sprachkurs absolviert. Jetzt besucht er einem Integrationskurs.

"Erst muss ich besser Deutsch lernen. Dann möchte ich arbeiten", sagt Arar. In Syrien war er Buchhalter, das könnte er sich auch in Altena vorstellen. In der Innenstadt entsteht ein neues Begegnungszentrum. Arar hilft regelmäßig auf der Baustelle mit, weil er den Menschen in Altena etwas zurückgeben möchte.

Eine Zukunft in Altena

"Die Menschen sind freundlich. Ich kann hier in Frieden leben", so Arar. Er sieht seine Zukunft in Deutschland, auch wegen der Kinder. In Altena ist man offen dafür, dass die Flüchtlinge bleiben, wenn sie wollen, sagt der Bürgermeister. Esther Szafranski wird Arar und seine Familie weiterhin unterstützen: "Wir leben in sehr guten Umständen und ich möchte das teilen. Ich wünsche mir, dass sie komplett ankommen. Dass sie glücklich sind."

Bundeskanzlerin Merkel wird die Stadt Altena am 17. Mai 2017 mit dem Nationalen Integrationspreis der Bundeskanzlerin auszeichnen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen ist eine tragende Säule des Integrationskonzeptes der Stadt.

Freitag, 12. Mai 2017

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