Integration - Deutschland kann das

Sprache verbindet

Helfen und den eigenen Horizont erweitern

Rüdiger Schumacher hat das Sprachpaten-Projekt der Caritas in Itzehoe zu neuem Leben erweckt. Ein Projekt, in dem auch Dima und Khalid Abdelhamid Deutsch lernen.

Khaled Abdelhamid und seine Tochter Dima im Gespräch mit Rüdiger Schumacher von der Caritas. Für Khaled Abdelhamid und seine Tochter Dima ist Rüdiger Schumacher eine wichtige Bezugsperson. Foto: Caritas Migrationsdienst/Silvia Bruns

Eigentlich wollte Rüdiger Schumacher nur ein paar Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig sein. Seit Oktober 2013 ist der ehemalige Informatiker in der passiven Phase seiner Altersteilzeit. Seine Frau ist berufstätig, die vier erwachsenen Kinder "grüßen", so sagt er, "aus weiter Ferne". Sicher, Schumacher schmeißt den Haushalt. "Aber", er lacht, "man kann ja nicht von morgens bis abends putzen."

Als Schumacher hört, dass das Familienzentrum St. Ansgar "Sprachpaten" für Flüchtlinge sucht, ist er der erste an Bord. Im November 2013 beginnt er mit seinem ersten Schüler. Bald kommt der zweite hinzu, immer mehr wollen mitmachen. Im Bekanntenkreis findet Schumacher Gleichgesinnte, die ihn bei der Flüchtlingsarbeit unterstützen. Das Projekt wächst: Inzwischen betreuen 100 Ehrenamtliche mehr als 200 Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan, aus Somalia, Eritrea und vielen anderen Ländern. Schumacher koordiniert die Einsätze der Sprachpaten und unterrichtet auch weiterhin selbst. Eigentlich ein Vollzeitjob, wie er berichtet.

Improvisation ist alles

Wie kommt ein Zahlenmensch wie Schumacher dazu, anderen die deutsche Sprache beizubringen? "Ich bin natürlich kein Pädagoge", gibt Schumacher zu. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass sein früherer Gymnasiallehrer sich "im Grabe umdrehen würde, wenn er wüsste, dass ich jetzt Deutsch unterrichte."

Aber es geht ja nicht um die Feinheiten der deutschen Grammatik. Schumacher und seine Mitstreiter versuchen vielmehr, Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern und mit völlig verschiedenen Bildungsniveaus einen Grundwortschatz zu vermitteln, mit ihnen die Aussprache von Wörtern zu üben. Sie wollen ihnen helfen, sich in ihrem Umfeld zurechtzufinden und Alltagssituationen sprachlich zu bewältigen. Und dafür brauchen sie vor allem Improvisationsgabe. Hobbytänzer Schumacher: "Ich habe auch schon mit einem Schüler Wiener Walzer getanzt, damit er weiß, was das ist."

Ehrenamt lohnt sich

Inzwischen kann Schumacher auf vielfältige Unterstützung bauen. Das Familienzentrum stellt Räume zur Verfügung, Wohltätigkeitsclubs überweisen Spenden für Bücher und Material, die Caritas-Migrationsberatung hilft bei der Organisation. Und dann sind da natürlich die ehrenamtlichen Mitstreiter, die mit großem Elan ans Werk gehen. Auch die Schüler sind zum Teil selbst aktiv geworden. "Zwei unterstützen mich inzwischen und stehen als Dolmetscher zur Verfügung", so Schumacher.

Immer wieder betont Schumacher, wie viel ihm sein Ehrenamt bedeutet: "Ich tue das natürlich für die Flüchtlinge - aber eben auch für mich. Ich habe so viel Spaß daran!" Außerdem habe er eine Menge über andere Kulturen gelernt und Kontakte geknüpft, die er sich vorher nicht hätte träumen lassen.

Neustart in Itzehoe

Mit Khaled Abdelhamid verbinden ihn ganz besondere Erfahrungen. Der 50-Jährige aus dem syrischen Aleppo lebt seit 2014 in Itzehoe, anfangs allein mit seiner ältesten Tochter Dima. Deutsch hat ihm Rüdiger Schumacher beigebracht. "Sprechen fällt mir noch schwer, aber es geht immer besser. Dass ich das kann, das verdanke ich Rüdiger."

Im vergangenen Jahr konnte Khaled Abdelhamid seine Frau Lania und seine beiden minderjährigen Kinder nach Deutschland holen. "Ich durfte dabei sein, als sie sich wiedergesehen haben", sagt Schumacher. Ein Erlebnis, das ihm sehr naheging.

In Aleppo hatte Khaled Abdelhamid im Finanzamt gearbeitet. Jetzt will er in Itzehoe neu starten. Sein Sohn will später studieren, seine Frau wieder als Lehrerin arbeiten. Ihr Sprachpate ist natürlich Rüdiger Schumacher. Und er meint: "Arabischlehrerinnen werden hier sicher bald noch mehr gebraucht werden."

Mittwoch, 20. Juli 2016

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