Integration - Deutschland kann das

Deutsch-israelisch-palästinensischer Workshop

Junge Journalisten überwinden Grenzen

Aus Israel, den palästinensischen Gebieten und ganz Deutschland sind junge Journalistinnen und Journalisten nach Berlin gereist, um in internationalen Teams zusammen ein Online-Magazin zum Thema "Identität“ zu produzieren. Organisiert wird das Seminar von der Jugendpresse Deutschland, gefördert vom Auswärtigen Amt.

Zwei junge Frauen und ein junger Mann schauen zusammen konzentriert auf einen Laptop. Hochkonzentriert: Nadav aus Tel Aviv, Eylül aus Hamburg und Nida aus Bethlehem (v.l.n.r.) Foto: Jugendpresse Deutschland/Mathias Birsens

"Yallah!" (Arabisch für "Hopp hopp, auf geht's!"), tönt es immer wieder. Denn der Zeitplan der 21 jungen Medienschaffenden ist randvoll gepackt. In den acht Tagen soll die Gruppe nicht nur ein mehrsprachiges Online-Magazin recherchiert und veröffentlicht haben.

Ganz nebenbei treffen sie auch diplomatische Vertreterinnen und Vertreter, zivilgesellschaftliche Organisationen und lernen israelisches, muslimisches, jüdisches und arabisches Leben in Berlin kennen. Außerdem besuchen sie die Topografie des Terrors und die Bundespressekonferenz, dazu das Maxim-Gorki-Theater.

Von Recycling bis Bisexualität - Lokaljournalismus für Geflüchtete

Heute ist die Gruppe zu Gast bei "Amal, Berlin!" Die Redaktion hier besteht aus Geflüchteten. Sie schreiben Berliner Lokalnachrichten – auf Arabisch und Farsi/Dari (iranisches und afghanisches Persisch).

Der syrische Amal-Redakteur Ahmad Kalaji trägt Baseball-Cap, Flanellhemd und Dreitagebart. Er trinkt Mate, während er den Gästen das Konzept der Webseite erklärt: "Wir wollen die Kulturen der Neuankömmlinge und der Deutschen zusammen bringen – dafür behandeln wir alle Themen von Recycling bis Bisexualität."

Dass das Projekt in der evangelischen Journalistenschule eingebettet ist, führt zu Ver- und Bewunderung bei den Teilnehmenden. Sie diskutieren über den Anspruch auf Objektivität im Journalismus und darüber, dass Menschen informiert werden sollen – und nicht belehrt.

Die Stimmung ist gelassen, die Teams gut durchmischt. Mathias Birsens leitet als Bundesvorstand die internationalen Projekte der Jugendpresse Deutschland. Er freut sich über die Stimmung im der Gruppe: "Wir waren überrascht und begeistert, wie gut die Teilnehmenden sich verstanden haben. Außerdem hat ein israelischer Teilnehmer aus Jerusalem bei der Vorstellungsrunde festgestellt, dass eine palästinensische Teilnehmerin beinahe seine Nachbarin ist."

Auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt entdeckt die palästinensische Gruppe einen Weihnachtsmarkt. "Hat er schon offen? Wir möchten unbedingt Glühwein probieren!"

Internationale Dreierteams schreiben zusammen Artikel

In einem Neuköllner Café sprechen sich die Arbeitsgruppen ab. Jeweils ein Dreierteam aus den drei Ländern arbeitet zusammen an einem Thema. Die Hamburgerin Eylül Tufan studiert sonst in Heidelberg Politik. Jetzt diskutiert sie mit der Palästinenserin Nida Abufarha aus Bethlehem und dem Israeli Nadav Glick aus Tel Aviv über ihre Themen: Die migrantische Hip Hop Band "Microphone Mafia" macht Musik mit der Auschwitz-Überlebenden Ester Bejerano, die auf Jiddisch singt. "Die habe ich zum ersten Mal bei der ZDF-Sendung 'Die Anstalt' gesehen", freut sich Eylül, "So toll, dass das mit denen klappt!"

Ihre palästinensische Teampartnerin Nida ist begeistert, dass sie beim Seminar so viele spannende Aspekte über Deutschland kennenlernen kann: "Ich habe so viel gelernt über jüdisches Leben in Berlin, aber auch darüber, wie es ist für Geflüchtete und andere Neuankömmlinge." Sie findet es gut, dass Teilnehmende aus Israel und den palästinensischen Gebieten hier miteinander Zeit verbringen und verschiedene Themen miteinander diskutieren können: "Das ist neu", sagt sie.

Berlin als "neutraler Boden" für das Seminar

Auch Eliana Rudee freut sich über die Möglichkeit, zusammen zu arbeiten. Sie kommt ursprünglich aus dem amerikanischen Seattle und ist vor drei Jahren nach Israel ausgewandert. "Eigentlich gibt es in Jerusalem schon Möglichkeiten, mit Palästinenserinnen und Palästinensern Zeit zu verbringen. Aber irgendwie bleibt man doch unter sich", gesteht sie. Sie hat schon öfter an israelisch-palästinensischen Projekten teilgenommen, aber noch nie zusammen mit Deutschen: "Das bringt eine neue spannende Komponente dazu. Und es ist gut, dass wir nicht in unserer Region sind, sondern in Deutschland. Das nimmt ein wenig die Spannung raus."

Ähnlich sieht es Tal Bouhnik, der israelische Mitorganisator des Seminars. Auch er freut sich, dass es in Berlin stattfindet: "Es ist so schwer, in Israel einen neutralen Ort zu finden. Berlin ist da viel besser – wir denken hier nicht zuerst an den Konflikt, sondern an coole Cafés und Einkaufszentren. Hier haben die Teilnehmenden die Chance, Dinge aus der jeweils anderen Perspektive zu lernen – etwa über Antisemitismus und Islamophobie in Deutschland. Da sowohl Israelis, als auch Palästinenserinnen und Palästinenser in Berlin zu den Minderheiten gehören, können sich beide Gruppen damit identifizieren."

Nach acht Tagen Recherche, Erkundungen und Bibbern in der Berliner Winterkälte hat die Gruppe verschiedene journalistische Inhalte zum Thema "Identität" produziert. Im März 2019 reist die deutsche Gruppe zum Gegenbesuch in den Nahen Osten. Zwar wird sie den ersten Teil mit den Israelis in Israel, den zweiten Teil mit der palästinensischen Gruppe im Westjordanland verbringen. Aber "Yallah!" versteht man an beiden Orten.

Das trilaterale Seminar der Jugendpresse Deutschland wird gefördert vom Auswärtigen Amt. Die Ergebnisse des Workshops in Berlin zum Thema "Identität" können auf Englisch unter www.politikorange.de nachgelesen werden.

Freitag, 30. November 2018

INTEGRATION - WIR SIND DABEI.

Lernen Sie Menschen kennen, die bei der Integration von Flüchtlingen helfen. Lesen Sie, wie sich Flüchtlinge in unsere Gesellschaft integrieren.

ZU DEN RE­POR­TA­GEN

INITIATIVEN, DIE INTEGRATION MÖGLICH MACHEN

Finden Sie hier Integrationsprojekte in Ihrer Nähe, bei denen Sie mitmachen können. Oder holen Sie sich Anregungen für eigenes Engagement.

PROJEKTKARTEPROJEKTLISTE

INTEGRATION - WIR SIND DABEI.

Lernen Sie Menschen kennen, die bei der Integration von Flüchtlingen helfen. Lesen Sie, wie sich Flüchtlinge in unsere Gesellschaft integrieren.

ZU DEN RE­POR­TA­GEN

INITIATIVEN, DIE INTEGRATION MÖGLICH MACHEN

Finden Sie hier Integrationsprojekte in Ihrer Nähe, bei denen Sie mitmachen können. Oder holen Sie sich Anregungen für eigenes Engagement.

PROJEKTKARTEPROJEKTLISTE

INHALTE TEILEN